06. Dezember 2025
Praxistest Skoda Elroq: Europas Elektro-Liebling
Schon optisch macht das Elektro-SUV Eindruck. Skodas neue Designsprache „Modern Solid“ erlebte hier ihr Serien-Debüt. Dabei ersetzt das so genannte „Tech Deck“ den traditionellen Kühlergrill. Dahinter sitzen Radar und Kamera, darüber prangt der ausgeschriebene Markenschriftzug. Die schmalen LED-Streifen plus die in der Topversion als Matrixlicht ausgeführten Scheinwerfer verleihen dem kompakten SUV einen technischen, fast futuristischen Blick. Trotz kürzerer Karosserie bleiben die 2,77 Meter Radstand des Enyaq erhalten, ein entscheidender Faktor für das Raumgefühl, das man dem 4,49 Meter kurzen Stromer zunächst gar nicht zutraut. Die Silhouette ist stimmig, die Verarbeitung wirkt solide, und die Aerodynamik mit einem cW-Wert von 0,26 sorgt dafür, dass der Elroq leise durch die Luft schneidet.
Innen dominiert ein 13-Zoll-Touchscreen das Cockpit, darunter eine Reihe echter Tasten als willkommene Abkehr von allzu touchscreenlastigen Konzepten. Heizungen, Fahrmodi oder Parkassistent sind damit ohne Gewurschtel erreichbar. Dazu ein klar strukturiertes Menü, dessen Startseite sich mit wenigen Handgriffen personalisieren lässt. Bis zu fünf Funktions-Shortcuts und vier App-Verknüpfungen können abgelegt werden. Außerdem gibt es große Symbole, Shortcuts für Lieblingsfunktionen und ein (optionales) Head-up-Display, das auch bei grellem Sonnenlicht Tempo, Verkehrszeichen und Navigationspfeile direkt ins Sichtfeld projiziert. Einer jener Zusätze, die man vom ersten Kilometern an zu schätzen beginnt und danach nicht mehr missen will. Das digitale Kombiinstrument bleibt dagegen bewusst klein, was aber nicht stört, sondern eher angenehm reduziert wirkt.
Einen Anflug von Ärger bereiten jedoch nach wie vor die aus dem VW-Regal importierten Lautstärke-Slider unter dem Display, die wenig Haptik und Rückmeldung bieten. Zum Glück ist das Lenkrad mit klassischen Tasten ausgestattet, die ihre Sache deutlich zuverlässiger erledigen. In der 85er-Version sind zudem ab Werk Navigationssystem und 2-Zonen-Klima an Bord. Auch die Materialqualität hinterlässt insgesamt einen guten Eindruck – auch wenn an einigen Stellen Hartplastik zu sehen ist. Recycelte Stoffe, PET-Fasern und aufbereitete Textilien bringen Nachhaltigkeit ins Cockpit. Ambientestripes entlang der Türen und des Armaturenbretts schaffen abends eine wohnliche Atmosphäre.
Der größte Vorteil des Elroq ist jedoch seine Geräumigkeit. Vorne sitzen auch hochgewachsene Menschen bequem, hinten bleibt bei entsprechender Einstellung noch reichlich Platz für lange Beine. Der Kofferraum fasst 470 Liter und wächst bei umgeklappten Lehnen auf bis zu 1580 Liter an. Der fehlende Frunk unter der Fronthaube wird durch ein cleveres Netz unter der Hutablage ersetzt, der das Ladekabel griffbereit hält und nerviges Suchen zwischen Wochenendeinkäufen und Gepäck verhindert. Dazu gesellen sich die markentypischen „Simply-Clever“-Spielereien wie Regenschirm, Haken und versteckte Staufächer.
Spannend wird es auf der Straße. Der 210 kW (286 PS) starke Heckmotor hat mit den gut zwei Tonnen Eigengewicht keinerlei Mühe. Der aus dem Enyaq bekannte Antrieb liefert 545 Nm Drehmoment an die Hinterachse und schiebt das Kompakt-SUV ordentlich voran. Begleitet von einem souveränen Antritt, der selbst auf nasser Fahrbahn kaum mit den Rädern ringt, gelingt der Standardsprint auf 100 km/h in 6,6 Sekunden. Das liegt nicht zuletzt an der gelungenen Traktionskontrolle und dem tiefen Schwerpunkt. In Sportstellung packt die Elektronik fester zu, doch der Grundton bleibt insgesamt gelassen.
Akustisch ist der Elroq dagegen angenehm zurückhaltend. Die dicke Verglasung filtert Außengeräusche ordentlich, und das Fahrwerk ist eindeutig auf Komfort ausgelegt. Querfugen, Gullideckel, brüchiger Asphalt bügelt es glatt und selbst auf Kopfsteinpflaster schaukelt sich der Elroq nicht hoch. Die Lenkung ist leichtgängig, könnte vielleicht noch etwas mehr Rückmeldung liefern. Beim Handling hilft der tiefe Schwerpunkt durch die Batteriepakete im Unterboden, der das Kompakt-SUV wie auf Schienen durch die Kurven zieht.
Gegen Aufpreis gibt es das adaptive Fahrwerk DCC, das mit seinen 15 Abstufungen im Individualmodus die Spreizung von fast sportlich straff bis angenehm weich auslegt. Auch die Progressivlenkung, ebenfalls optional, macht den Elroq im Stadtverkehr agiler und verkleinert den Wendekreis auf bemerkenswerte 10,2 Meter. Die Rekuperation lässt sich über Paddels am Lenkrad regeln, von sanfter Verzögerung bis zu deutlich spürbarem Einbremsen. Besser aber, man überlässt das dem vorausschauenden Automatikmodus. Das hilft im Alltag nicht nur beim Energiesparen, sondern sorgt auch für ein entspannteres Fahren.
Kommen wir zum Herzstück aller aktuellen E-Auto-Debatten: Reichweite und Lademanagement. Dabei ist die Batterievorkonditionierung sehr zu empfehlen, die sich automatisch mit dem Start der Navigation oder manuell im Lademenü aktiviert. Mit der 77-kWh-Batterie (82 kWh brutto) soll der Elroq 85 nach WLTP über 580 Kilometer schaffen. Realistisch waren mit einem Testverbrauch von 18,6 kWh allerdings eher rund 450 Kilometer, auf der Autobahn auch nur 340 Kilometer drin. Auch beim Wiederaufladen gibt es Licht und Schatten. Unser frühes Testexemplar erlaubte an DC-Schnellladesäulen noch 175 kW Spitzenleistung (es ging sogar mal auf 185 kW). Allerdings brach die Ladekurve sehr früh ein und verlor oberhalb von 50 Prozent auch spürbar an Tempo. Aus den versprochenen 29 Minuten von 10 auf 80 Prozent wurden so gerne auch mal 35-40 Minuten. Auch Wechselstromladen gelingt allen Elroq-Modellen nur mit maximal 11 kW – was an öffentlichen AC-Ladesäulen mit zeitlicher Limitierung schon mal für Frust sorgt.
Sicherheitstechnisch hat Skoda fast alles hinein gepackt, was der Konzern zu bieten hat: Notbremsung, Spurassistenz, Staupilot, vorausschauender Tempomat samt Schwarmdaten sowie einen Parkassistenten, mit dem sich das Auto per Smartphone-App sogar fernbedient in enge Lücken rangieren lässt. Bis zu fünf wiederkehrende Parkmanöver können gespeichert werden.
Der Skoda Elroq 85 startet laut Konfigurator aktuell ab 44.840 Euro. Für ein geräumiges und komfortabel ausgestattetes Elektro-SUV mit einer realistischen Reichweite von rund 475 Kilometern, das dazu noch viel Fahrspaß und Sicherheit bietet, scheint das nicht zuviel. Mit dem Head-up-Display, adaptivem Fahrwerk und Progressiv-Lenkung sowie intelligentem Parkassistenten und der hübschen Timiano-Grün-Lackierung springt man aber auch schnell über die 50.000-Euro-Marke.
Daten Skoda Elroq 85
Länge x Breite x Höhe (m): 4,49 x 1,88 x 1,63
Radstand (m): 2,77
Antrieb: Elektrisch, 210 kW (286 PS), Hinterradantrieb, Eingang-Automatik
Max. Drehmoment: 545 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 6,6 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 15,2 kWh
Batteriekapazität, brutto/netto: 82/77 kWh
Reichweite (WLTP): 581 km
Max. Ladeleistung: 11 kW AC/ 175 kW DC
Leergewicht / Zuladung: 2119 kg / 606 kg
Kofferraumvolumen: 470-1580 Liter
Anhängelast: 1000 kg
Preis: ab 44.850 Euro
(Quelle: Frank Wald, cen)