08. April 2026
Praxistest Peugeot 308 SW PHEV: Nicht günstig, aber sparsam
Rund vier Jahre nach ihrer Neuauflage hat Peugeot die 308-Baureihe aufgefrischt. Dabei sind die Designer vorsichtig vorgegangen, denn der scharfe Raubtierblick, den sich die Löwenmarke als Maxime hergenommen hat, sollte um jeden Preis erhalten bleiben. Gerade die auffällige Optik setzt den 308 als formale Alternative zu den Rivalen VW Golf und Opel Astra in Szene. Neu ist die Plug-in-Variante, mit der das Hybrid-Modell dank seines 17 kWh starken Akkus bei rein elektrischer Fahrweise rund 70, im städtischen Verkehr sogar bis zu 90 Kilometer weit kommen soll. Das ist in Zeiten galoppierender Treibstoffpreise ein überaus vorteilhaftes Angebot, denn wer sich an der solarbetriebenen Wallbox zu Hause oder günstigen Schnellladestationen mit Energie versorgt, kommt im Kurzstreckenverkehr längere Zeit ohne kostspielige Besuche an der Tankstelle aus.
Immer wieder überrascht der Peugeot beim Einstieg. Das, was die Marke i-Cockpit nennt, ist eines jeden Sache nicht. Das kleine lederbezogene Lenkrad liegt tief, der Blick auf die Instrumente führt über den oberen Kranz des abgeflachten Volants, und auch, wenn man reichlich von den Verstellmöglichkeiten von Sitz und Steuerrad Gebrauch macht irgendwie will der Eindruck nicht weichen, dass doch etwas von den Anzeigen versteckt wird. Sei‘s drum, alles andere ist gut sicht- und erreichbar verteilt, der zentrale Monitor dient nicht nur der Navigation, sondern der allgemeinen Bedienung. Die Mittelkonsole birgt überdies die ganz analogen Bedienungstasten der Klimatisierung, auch die zum Einschalten der Warnblinkanlage ist hier positioniert und daher im Notfall auf vom Beifahrer leicht zu erreichen. Das gilt auch für den analogen Drehsteller für die Kontrolle der Audio-Lautstärke.
Darunter sind auf dem Mitteltunnel der Wählhebel des siebengängigen Automatikgetriebes platziert, auch der Taster zum Einstellen des gewünschten Fahrmodus und die USB-Anschlüsse sind hier angeordnet. Die verschiedenen Fahrprogramm umfassen den Eco-Modus, die sportliche Einstellung und jene, bei denen der Wagen solange wie möglich rein elektrisch fährt. Erst wenn die Akku-Kapazität zu niedrig wird, darf sich der Vierzylinder wieder zu Wort melden und dann nicht nur für Vortrieb sorgen, sondern auch die Batterie nachladen. Gestartet wird der 308 auf Knopfdruck, meist passiert dabei akustisch nichts, den vorzugsweise fährt der SW genannte Kombi, begleitet von leisem, fast spirituellem Summen, im Elektromodus los.
Wer es eilig hat tritt beherzt aufs Gaspedal, dann meldet sich ebenfalls akustisch zurückhaltend, der Verbrenner zu Wort. Zügig geht’s dann von 0 auf 100 km/h, 7,7 Sekunden vergehen für den Standardsprint. Wobei die Beschleunigung heute eigentlich nicht mehr zu den vornehmsten Tugenden eines Autos gehört, vielmehr ist es die Durchzugskraft in mittleren Geschwindigkeiten, die einen Überholvorgang auf der Landstraße kurz und sicher macht. Der Peugeot erledigt dies mit perfekter Abstimmung der beiden Motorsysteme auf höchst angenehme Weise. Das Doppelkupplungsgetriebe mit seinen sieben Abstufungen trägt wesentlich zu diesem dynamischen Antritt bei, es wechselt die Gänge nahezu unbemerkt und ruckfrei.
Beim Verbrauch ist der Peugeot Kombi zurückhaltend. 5,6 Liter verlangt er laut WLTP auf 100 Kilometer bei leerem Akku, wenn der gut gefüllt ist, genügen ihm 2,3 Liter (und 13 kWh) für die Standardstrecke. Aber wirklich leer ist der Akku im Grunde nie, denn beim Bremsen und auch schon beim Ausrollen rekuperiert das Hybridsystem fleißig und bringt verbrauchte Energie zwar nicht vollständig, aber doch sofort zurück. Auf die in Aussicht gestellten 90 elektrisch in der Stadt zurückgelegten Kilometer kamen wir zwar nicht, aber mühelos zweimal quer durch Frankfurt am Main, ohne dass sich der Verbrenner dazugeschaltet hätte.
Nur der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass der 308 SW Spitze 225 schafft. Wer mit weniger Dampf unterwegs ist, kann die Vorzüge einer sehr komfortablen und schulterstützenden Sitzergonomie genießen, die auch in scharf gefahrenen Kurven sehr zum Wohlbefinden beiträgt. Obendrein ist das Fahrwerk fein abgestimmt, die Federung angemessen komfortabel und nicht zu hart ausgelegt, Karosseriewankungen fallen dennoch nicht auf. Querfugen nimmt der 308 leichtfüßig, auch arge Verwerfungen bringen ihn nicht aus der Spur. Bis weit in den Grenzbereich ist das Fahrverhalten neutral, Lastwechselreaktionen, die auf sanftes Untersteuern folgen, hält das ESP am straffen Zügel. Die Bremsen arbeiten nicht weniger feinfühlig, insgesamt bereitet der Peugeot auch als Kombi eine Menge Fahrspaß bei hohem Alltagsnutzen.
Der gewinnt dank leichten Ein- und Aussteigens, auch im Fond ist reichlich Platz. Der Kofferraum kann mit immerhin 467 Liter Volumen bei Beladung bis zur Fensterunterkante bei senkrecht stehenden Rückenlehnen der 40:60 geteilten Rückbank. Wer sie umklappt erhält eine weitgehend ebene Ladefläche und ein dachhohes Stauvermögen von bis zu 1402 Liter. Ebenso wie das Ladevolumen bewegt sich die Anhängelast im durchschnittlichen Bereich, 1315 Kilogramm darf der 308 SW ins Schlepp nehmen.
Die Ausstattung auf GT-Niveau ist nahezu komplett, nur wenige Sonderposten wie Metallic-Lack, das gläserne Panoramadach sowie die Sitzmassage kosten extra. Allerdings sprechen wir bei der exklusiven Spitzenausstattung auch von einem Preis von 49.875 Euro. Dafür gibt es aber einen sehr angenehmen und vielfach nutzbaren Begleiter auf der Kurz- oder Langstrecke, der neben ausgezeichneter Verarbeitungsqualität jede Menge Fahrspaß bereitet.
Technische Daten Peugeot 308 SW PHEV
Länge x Breite x Höhe (m): 4,64 x 1,85 x 1,44
Radstand (m): 2,73
Antrieb: R4-Benziner, 1598 ccm, E-Motor, FWD, 7-Gang-Aut.
Systemleistung: 143 kW / 195 PS
Systemdrehmoment: 300 Nm bei 1750 U/min
Leistung Benzinmotor: 110 kW / 150 PS bei 5500 U/min
Drehmoment: 250 Nm bei 1750 U/min
Leistung Elektromotor: 92 kW / 125 PS bei 2500 Nm
Drehmoment: 118 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 225 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 7,7 Sek.
Batteriekapazität: 17,2 kWh
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 2,3 Liter + 13 kWh
Treibstoffverbrauch bei leerer Batterie: 5,6 Liter
CO2-Emissionen: 53 g/km
Testverbrauch: 5,2 Liter
Leergewicht / Zuladung: min. 1910 kg / max. 435 kg
Kofferraumvolumen: 467–1402 Liter
Max. Anhängelast: 1315 kg
Basispreis: 43.200 Euro
Testwagenpreis: 49.875 Euro
(Quelle: Michael Kirchberger, aum)
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