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06. August 2026 

Praxistest Mitsubishi Outlander PHEV: Groß, leise, eigenwillig

Zehn Jahre nach seinem Erfolg als Plug-in-Pionier ist der Mitsubishi Outlander wieder auf dem deutschen Markt unterwegs. Seit gut einem Jahr steht die vierte Generation bei den Händlern, und mit mehr als 1800 Neuzulassungen im ersten Halbjahr 2026 rangiert das große SUV hinter dem ASX bereits auf Platz zwei im hiesigen Mitsubishi-Programm. Allerdings – knapp drei Viertel davon sind gewerbliche Zulassungen. Wohl auch deshalb versucht Mitsubishi Privatkäufer aktuell mit einem Rabatt von 10.000 Euro zu locken.

Der Einstiegspreis sinkt damit bis Ende September immerhin auf 39.990 Euro. Wer Anspruch auf die staatliche E-Auto-Förderung hat, kann sogar nochmal bis zu 4500 Euro sparen. Damit wird der Teilzeitstromer auf den ersten Blick zu einem ernsthaften Angebot in einer Klasse, in der viele Plug-in-Hybride längst weit über 50.000 Euro kosten. Doch die interessantere Frage stellt sich nicht beim Blick auf die Preisliste, sondern nach den ersten Kilometern: Wie fühlt sich ein mehr als zwei Tonnen schweres SUV an, dessen Technik sichtbar aus einer anderen Entwicklungszeit stammt, aber dessen Innenraum und Fahrkomfort heute bestehen wollen?

Schon beim Einsteigen fällt auf, dass Mitsubishi beim Outlander nicht dem verbreiteten Reflex gefolgt ist, möglichst jede Funktion in einem Touchscreen zu verstecken. Der Fahrer sitzt hinter einem klar gegliederten Cockpit mit zwei 12,3-Zoll-Displays, einem digitalen Kombiinstrument und einem zentralen Infotainment-Bildschirm. Die Grafik ist modern genug, die Darstellungen sind übersichtlich, und vor allem bleiben wichtige Funktionen dort erreichbar, wo man sie während der Fahrt erwartet. Tasten am Lenkrad, separate Bedienelemente, ein Drehregler für die Fahrprogramme und ein konventionell wirkender Schalthebel verhindern, dass einfache Handgriffe zur Menüsuche werden.

Das ist nicht spektakulär, aber im Alltag angenehm. Klimafunktionen, Fahrprogramme und Einstellungen des Antriebs lassen sich ohne größere Ablenkung bedienen. Apple CarPlay und Android Auto funktionieren kabellos, eine induktive Ladeschale gehört zur Ausstattung. Das Infotainment verlangt keine lange Eingewöhnung, wirkt aber auch nicht ganz so flott und grafisch aufwendig wie die Systeme einiger deutscher Premiumanbieter oder neuer chinesischer Wettbewerber. Dafür bleibt die Bedienung nachvollziehbar, und das ist gerade bei einem Familien-SUV mit vielen Assistenzfunktionen mehr wert als eine besonders verspielte Benutzeroberfläche.

Weniger überzeugend präsentiert sich die Kalibrierung einiger Helfer. Der Outlander warnt aufmerksam, bisweilen auch zu aufmerksam. Vor allem der Blicküberwachungs- und Tempolimitwarner meldet sich recht früh und mit Nachdruck. Wer die Systeme abschwächen oder deaktivieren möchte, muss sich durch das Menü arbeiten. Das gelingt zwar, könnte aber einfacher organisiert sein. Gerade weil der Rest des Cockpits auf direkte Bedienbarkeit setzt, wirkt diese Lösung unnötig verschachtelt.

Ansonsten ist das Interieur auf Langstrecke ausgelegt. Die Materialien machen gegenüber dem Vorgänger einen spürbar besseren Eindruck, ohne dass Mitsubishi eine Luxuswelt inszenieren müsste. Die Sitze sind weich gepolstert und auf Komfort ausgelegt, bieten bei engagierter Kurvenfahrt allerdings nur mäßigen Seitenhalt. Das passt zum Charakter des Autos: Der Outlander möchte nicht zum schnellen Richtungswechsel animieren, sondern seinen Insassen möglichst gelassenen Transport bieten. Im Fond profitieren Passagiere vom 2,70 Meter langen Radstand. Zwei Erwachsene finden ordentlich Platz, drei sitzen eher zweckmäßig als großzügig. Der Kofferraum fasst rund 495 Liter, bei umgelegter Rückbank wächst das Volumen auf gut 1400 Liter.

Auf der Straße bestätigt sich rasch, dass Mitsubishi seine Prioritäten klar gesetzt hat. Der Outlander PHEV fährt weich an, beschleunigt spontan und lässt sich im Stadtverkehr überraschend unaufgeregt bewegen. Das liegt vor allem an den beiden Elektromotoren, die an Vorder- und Hinterachse arbeiten. Vorn leistet die E-Maschine 85 kW, hinten 100 kW. Hinzu kommt ein 2,4-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 100 kW beziehungsweise 136 PS. Die Systemleistung beträgt 225 kW oder 306 PS, doch die Zahl ist weniger prägend als die Art, in der sie abgegeben wird.

Der Outlander hat kein klassisches Getriebe und auch kein CVT, das den Verbrenner unter Last auf eine hohe, gleichförmige Drehzahl festnagelt. Die Antriebssteuerung entscheidet selbstständig, ob das SUV rein elektrisch fährt, ob der Benziner als Generator Strom für die E-Motoren erzeugt oder ob er bei höherem Tempo direkt zum Antrieb beiträgt. In der Praxis funktioniert dieser Wechsel bemerkenswert unauffällig. Der Benziner schaltet sich zu, ohne mit einem deutlichen Ruck oder aufdringlichem Aufheulen auf sich aufmerksam zu machen. Wer nicht gerade die Energieflussanzeige beobachtet, merkt oft erst spät, dass der Outlander längst nicht mehr nur aus der Batterie fährt.

Das sorgt besonders auf Landstraßen und im Stadtverkehr für eine angenehme Ruhe. Auch bei Autobahntempo bleibt der Innenraum gut gedämmt. Wind- und Abrollgeräusche werden wirksam gefiltert, der Verbrenner hält sich meist im Hintergrund. Das macht den Mitsubishi zu einem entspannten Reisewagen, solange man seine Grenzen akzeptiert. Der Sprint auf 100 km/h dauert 7,9 Sekunden, doch die Leistung wirkt nicht sportlich zugespitzt. Bei 170 km/h endet der Vortrieb elektronisch, rein elektrisch sind bis zu 135 km/h möglich. Das reicht im Alltag aus, macht aber deutlich, dass der Outlander kein Autobahnjäger sein will.

Sein Fahrwerk unterstützt diesen Eindruck. Unebenheiten federt das SUV zuverlässig weg, auf schlechten Nebenstraßen bleibt die Karosserie weitgehend ruhig. In schnellen Kurven zeigt sich allerdings, dass der Komfort Vorrang hatte: Der Aufbau bewegt sich spürbar, die Lenkung ist leichtgängig und zunächst etwas distanziert. Mit dem Fahrmodusregler auf der Mittelkonsole lässt sich das Ansprechverhalten verändern. Im Modus „Power“ reagiert das Gaspedal direkter, die Lenkung liefert etwas mehr Widerstand und die Dämpfer wirken straffer. Aus dem Outlander wird dadurch kein dynamisches SUV, aber ein etwas verbindlicheres Auto für kurvige Strecken.

Das serienmäßige Allradsystem S-AWC verteilt die Antriebskraft auf beide Achsen und bietet sieben Fahrprogramme, darunter Einstellungen für Schnee, Matsch oder Schotter. Im normalen Straßenbetrieb ist davon wenig zu spüren, außer dass der Outlander auch bei nasser Fahrbahn stabil und berechenbar bleibt. Für den regelmäßigen Geländeeinsatz ist das SUV trotz dieser Möglichkeiten kaum gedacht, doch auf unbefestigten Zufahrten, winterlichen Nebenstraßen oder nassen Wiesen dürfte das System mehr Reserven bieten, als die meisten Besitzer benötigen werden.

Die Batterie mit 22,7 kWh Kapazität ist für einen Plug-in-Hybrid großzügig bemessen. Mitsubishi nennt bis zu 85 Kilometer elektrische Reichweite nach WLTP. Auf unseren Fahrten mit Landstraße und moderatem Autobahntempo war in den meisten Fällen nach rund 75 Kilometern Schluss mit dem rein elektrischen Fahren. Dennoch ein plausibler Praxiswert, der viele Pendelstrecken ohne Benzin ermöglicht, allerdings auch konsequentes Laden voraussetzt. Ist der Akku leer, steigt der Verbrauch naturgemäß deutlich. Rund sieben Liter auf 100 Kilometer sind dann für das große, schwere Allrad-SUV realistischer als die offiziellen Plug-in-Werte.

Beim Laden zeigt der Outlander seine deutlichste technische Eigenheit, oder sagen wir besser: Manko. An Wechselstrom lädt er nur einphasig mit maximal 3,7 kW, die volle Batterie braucht an einer Wallbox ungefähr sechseinhalb Stunden. Für das Laden über Nacht ist das ausreichend, für Zwischenstopps am Tag jedoch so gar nicht mehr zeitgemäß. Noch spezieller ist der CHAdeMO-Anschluss für das schnellere Gleichstromladen. Mitsubishi verspricht rund 32 Minuten bis 80 Prozent, doch passende Säulen sind in Deutschland inzwischen selten. Der Vorteil: Der Outlander kann seinen Strom auch wieder abgeben, etwa für externe Geräte oder das Hausnetz. Für viele Käufer bleibt das ein Sonderfall, während die eingeschränkte Ladeinfrastruktur im Alltag deutlich greifbarer ist.

Unterm Strich ist der Outlander PHEV ein komfortbetontes, angenehm leises SUV mit verständlicher Bedienung und einem im Alltag unauffällig arbeitenden Hybridantrieb. Seine Schwächen liegen weniger im Fahren als in der trägen AC-Ladetechnik und dem hierzulande kaum noch relevanten CHAdeMO-Anschluss. 

Daten Mitsubishi Outlander PHEV Top

Länge x Breite x Höhe (m): 4,72 x 1,86 x 1,75
Radstand (m): 2,70
Antrieb: 4-Zyl.-Benziner, 136 PS, 2360 ccm, (2 E-Motoren: 85 kW und 100 kW), AWD, Automatik
Gesamtleistung: 225 kW (306 PS)
Max. Drehmoment: 255 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 7,9 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 0,8 Liter
CO2-Emissionen: 19 g/km
Batteriekapazität: 22,7 kWh
WLTP-E-Reichweite: 86 km

Leergewicht / Zuladung: min. 2070-2120 kg / max. 595-545 kg
Kofferraumvolumen: 495–1404 Liter
Max. Anhängelast: 1600 kg
Basispreis: 49.990 Euro

(Quelle: Frank Wald, aum)