13. Februar 2026
Praxistest Mitsubishi Grandis 1,8: Überzeugender Klassenwechsel
Wie auch dieses SUV entsteht der Mitsubishi im Renault-Werk Valladolid in Spanien. Das komplett ausgestattete Spitzenmodell Hybrid Diamant Top steht für 37.890 Euro beim Händler. Dafür gibt es eine Systemleistung von 116 kW (158 PS), viel Platz und einen günstigen Verbrauch.
Auch wenn der Grandis ein nahezu hundertprozentiges Double des Renault Symbioz ist, er sieht mit den an Bug und Heck untergebrachten markentypischen Merkmalen versehen frisch und schnittig aus. Vorne prangt das Symbol der „Drei Diamanten“, die seit jeher das Logo eines der ältesten Unternehmen Japans sind und einst Wasserkastanien darstellen sollten, es wird auf beiden Seiten von jeweils fünf Chromstegen eingerahmt. Während Renault eher die horizontalen Linien betont, setzt Mitsubishi auf die vertikalen und pflanzt die früher mit den Colt-Modellen eingeführte Düsenfliegernase mitten ins Auto-Gesicht. Was ein vertikales Moment hinzufügt. Die Scheinwerfer sind schmal geschlitzt, das Tagfahrlicht markiert zusammen mit den
Nebelscheinwerfern die vorderen Karosserieecken.
Die Flanken spielen mit konkaven und konvexen Flächen gekonnt mit dem Licht, das Heck wirkt arg faltig, der tiefe horizontale Einschnitt im unteren Viertel der elektrisch öffnenden Heckklappe kostet zudem Stauraumvolumen. Ein angedeuteter Unterfahrschutz aus silberfarbenem Kunststoff dient einzig der optischen Auflockerung, für Einsätze jenseits des Asphalts ist der frontgetriebene Grandis nicht geeignet. Als Freund der Familie mit einem guten Platzangebot für Gepäck und Passagiere dagegen schon. Der Einlegeboden macht die Ladefläche eben und eliminiert die Kante am Kofferraumende. 492 bis 1582 Liter Volumen passen hinein, je nachdem, ob die Rückbanklehnen aufrecht stehen oder umgeklappt sind. Die Pufferbatterie die den Vollhybridantrieb mit Energie versorgt, verringert das Ladevermögen im Vergleich zum Mild-Hybrid Grandis um rund 50 Liter. Zusätzliche Variabilität schafft jedoch die Rückbank selber, sie lässt sich um zwölf Zentimeter in der Länge verschieben.
Das bringt neben der guten Polsterung und den angenehmen Lederbezügen Komfort in den Innenraum. Chauffeur und Beifahrer können sich so bestens mit den Hinterbänklern arrangieren, selbst Menschen mit Gardemaß finden hinten eine angenehme Sitzposition und bringen Knie und Füße mühelos unter. Die Einrichtung des Grandis ist stilvoll und modern, dort wo bedient wird, sind die Materialien griffsympathisch, nur die Ablagen in ihren Größen teilweise unvorteilhaft bemessen.
Dafür fällt die Bedienung leicht. Die Klimatisierung setzt auf direkte Bedienungstasten, nur die Audio- und Navigationsfunktionen greifen auf den 10,4 Zoll großen Touchscreen zurück. Immerhin lassen sich die Lautstärke und die Senderwahl über den kleinen Satelliten neben dem Lenkrad beeinflussen. Hilfreich ist vor allem die links neben dem Lenkrad angeordnete Taste, mit der durch zweimaliges Drücken die schlimmsten Nervensägen in der Assistentenriege außer Gefecht gesetzt werden. Sowohl der unbarmherzig in die Lenkung eingreifende Spurhaltewächter wie auch die unverständige Tempokontrolle ziehen sich daraufhin schmollend in ihre Ecken zurück.
Motorisiert ist der Grandis mit einem 1,8-Liter-Benziner mit vier Zylindern, der 109 PS (80 kW) Leistung und 170 Newtonmeter Drehmoment abgibt. Bei Anfahren oder beim kurzen Zwischenspurt unterstützt ihn ein im Gehäuse des automatischen Getriebes integrierter Elektromotor, der es auf 36 kW (49 PS) und 205 Nm Drehmomentspitze bringt. Seine Energie bezieht er aus einem Lithiumionen-Akku mit einer Kapazität von 1,4 kWh, das reicht nicht, um rein elektrisch zu fahren, für den flinken Anschub zwischendurch jedoch allemal. Das Duo arbeitet in perfekter Harmonie zusammen, kein Stolpern oder Zucken stört den gleichmäßigen Vortrieb. Nur dann, wenn der Ladezustand der Batterie es erfordert, setzt der Verbrenner plötzlich und unerwartet mit erhöhter Drehzahl ein, um als Generator für Strom zu sorgen. Bevorzugt geschieht das im Leerlauf beim Ampelstopp, wodurch es besonders auffällt.
Der aufwändige Hybridantrieb führt zum erwünschten Erfolg. Zwar haben wir den WLTP-Wert von 4,4 Liter Benzin auf 100 Kilometer nicht ganz erreicht, sondern verbrauchten genau einen vollgeschenkten Maßkrug mehr. Dennoch ist ein Konsum von 5,4 Liter Treibstoff für ein rund 1,5 Tonnen schweres SUV kein überzogener Wert, zumal der Tankinhalt mit 46 Liter ordentliche Reichweiten erlaubt.
Fahren lässt sich der Grandis gut. Der Antritt ist dank der elektrischen Unterstützung stets flink und kraftvoll, eine Beschleunigungszeit von 0 auf 100 km/h in 9,2 Sekunden geht völlig in Ordnung und mit der abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h kann sich jeder Genussfahrer anfreunden. Die leichtgängige Lenkung und die Rundumkamera machen das Rangieren und Fahren in der Stadt komfortabel, auf Landstraße und Autobahn macht sie dagegen einen hypersensiblen Eindruck ohne spürbare Rückmeldung für den Chauffeur. Die Bremsen arbeiten mit präzisem Ansprechverhalten und die Federung kommt mit dem winterlichen Frostaufbrüchen im Asphalt ebenso wie mit dauerhaften Querfugen der Straßen gut klar.
Mit all diese Tugenden ist der Grandis ein ebenso komfortabler wie zuverlässiger Begleiter bei den verschiedensten Mobilitätsaufgaben des Alltags, der mit einem angemessenem Verbrauch unterwegs ist und auch sonst das Budget seinen Besitzers nicht besonders strapaziert. Wem all das noch nicht genügt, der sollte sich das Garantieversprechen von Mitsubishi ansehen. Wer den Grandis in den vorgeschriebenen Intervallen von der Markenwerkstatt warten lässt, kann acht Jahre oder 160.000 Kilometer Fahrtstrecke weit auf die Gewährleistungszusage der Marke vertrauen.
Daten Mitsubishi Grandis 1,8 Hybrid
Länge x Breite x Höhe (m): 4,41 x 1,80 x 1,58
Radstand (m): 2,64
Antrieb: R4-Benziner, 1789 ccm, Hybrid, FWD, 6-Gang-Aut.
Leistung Verbrenner: 80 kW / 109 PS
Drehmoment: 170 Nm
Leistung E-Motor: 36 kW / 49 PS
Drehmoment Elektromotor: 205 Nm
Systemleistung: 116 kW / 158 PS
Systemdrehmoment: 365 Nm
Pufferbatterie: 1,4 kWh
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 9,8 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 4,4 Liter
CO2-Emissionen: 101 g/km
Testverbrauch: 5,4 Liter
Batteriekapazität: 1,4 kWh
Leergewicht / Zuladung: min. 1465 kg / max. 455 kg
Kofferraumvolumen: 492–1582 Liter
Max. Anhängelast: 1000 kg
Preis: 37.890 Euro
(Quelle: Michael Kirchberger, cen)