30. Dezember 2025
Praxistest Kia EV 4 Fastback: Ab in die Zukunft
Wobei von einer Stufe beim Fastback nicht viel zu sehen ist, die Heckscheibe ist zwar vom eigentlichen, elektrisch öffnenden Kofferraumdeckel getrennt, liegt aber sehr flach und unverrückbar über dem Rücken des 4,73 Meter langen Viertürers. Damit ist er genau 30 Zentimeter länger als die Steilheck-Variante und kostet mit 47.140 Euro knapp 4000 Euro mehr. Außerdem stammt der längere EV 4 aus Korea, die Hatchback-Version wird in der Slowakei gebaut.
Bei den koreanischen Herstellern geht die Entwicklung weiterer Elektroautos wie das Bretzelbacken bei Ditsch in Mainz. Kia hat gerade mit dem EV 5 und dem kompakten EV 3 punkten können, das steht schon der nächste Elektriker bereit. Der EV 4 geht sogar in gleich zwei Karosserieversionen an den Start, als Hatchback mit steiler Heckklappe und als Fastback in der Form einer Stufenhecklimousine. Wobei von einer Stufe nicht viel zu sehen ist, die Heckscheibe ist zwar vom eigentlichen, elektrisch öffnenden Kofferraumdeckel getrennt, liegt aber sehr flach und unverrückbar über dem Rücken des 4,73 Meter langen Viertürers. Damit ist er genau 30 Zentimeter länger als die Steilheck-Variante und kostet mit 47.140 Euro knapp 4000 Euro mehr. Außerdem stammt der längere EV 4 aus Korea, die Hatchback-Version wird in der Slowakei gebaut.
Die Statur des Elektrikers ist futuristisch. Der Kia erinnert ein wenig an die Formen der Beiboote des Raumkreuzers Orion, mit dem Dietmar Schönherr in den 1960er-Jahren als Major Allister McLane seine Runden durchs Universum drehte. Die Frontpartie ist hoch und schmallippig, das Heck betont einen sanften Schwung und trägt diesen Buckel ganz selbstbewusst. Das Raddesign mit glattflächigem Leichtmetallfelgen harmoniert damit vorzüglich, eine Verwechslungsgefahr ist nicht zu befürchten.
Innen spielt die Zukunftsmusik weiter. Glatte Flächen mit angenehmer Haptik kleiden den Innenraum schick ein, das Lenkrad mit allerlei Fernbedienungstasten ist ebenso klein wie griffsympathisch. Die Bedienung ist einfach und glücklicherweise gibt es wie bei allen Kia-Modellen eine Taste am Volant, mit der sich der nervige, aber vorgeschriebene Spurassistent blitzartig abschalten lässt.
Dafür hält der EV 4 eine ganze Reihe weiterer, munterer Assistenz-Melodien parat. Es bimmelt, wenn die kameragestützte Fahrerüberwachung der Meinung ist, der Chauffeur achte nicht in ausreichendem Maße auf das Verkehrsgeschehen. Das ist der Fall, wenn der Blick für einem Moment auf den großen Zentralmonitor gerichtet wird, um etwa eine Navigationsinformation zur Kenntnis zu nehmen. Zuverlässig und hilfreich warnt das System vor stationären Tempowächtern, deren Positionen in der Wegweisungssoftware hinterlegt sind. Wenn die gefahrene Geschwindigkeit über dem Limit liegt, gibt es zunächst eine akustische Warnung per Gong, sollte das unerhört bleiben, blinken die Lichtleisten der Ambientebeleuchtung unübersehbar in grellroter Farbe. Wird das Tempolimit aufgehoben, teilt der EV 4 das seinem Fahrer mittels eines Doppelgongs mit, die Älteren unter fühlen sich an altmodische Kaufhäuser erinnert, in denen nach einer solchen Dyade meist eine kryptische Ansage wie „53 für 92“ folgte.
Im Kia gibt es keine Ansage, dagegen überaus angenehme Platzverhältnisse. Vorne sitzt es sich entspannt und komfortabel, elektrische Sitzverstellung und Beheizung sind bei wechselnden Fahrern und an kalten Tagen angenehm. Die Türen öffnen weit, das macht das Ein- und Aussteigen vorne wie hinten einfach. Im Fond geht es kaum weniger großzügig zu, der lange Radstand von 2,82 Metern (der übrigens mit dem des kürzeren Hatchback-Modells identisch ist,) sorgt für viel Freiraum für die Knie und auch das schräge Heck schränkt die Kopffreiheit nicht ein. Zugeständnisse fordert hingegen der Akku im Wagenboden, er verhindert, dass die Hinterbänkler ihre Füße vernünftig unter den Sitz des Vordermann schieben könne. Ein wirkliche Einschränkung ist das aber nicht.
Ein großzügiges Angebot macht der Fastback außerdem beim Gepäcktransport. 490 Liter passen in den Kofferraum, hinderlich ist dabei nur, dass die vergleichsweise kleine Kofferraumöffnung das Volumen von Kisten und Kästen begrenzt. Aber als Umzugstransporter ist der Elektro-Kia auch eher nicht prädestiniert. Dennoch lassen sich im Heck sogar bis zu 1435 Liter verstauen, sofern man die Rücksitzlehnen nach vorne klappt. So kann auch Sperrgepäck mit auf Reisen gehen. Zuladen darf der rund 1,9 Tonnen wiegende EV 440 Kilogramm, als Anhängelast sind 1000 Kilogramm gestattet.
Jetzt soll es aber mal losgehen. Wo war gleich der Startknopf, der die Elektrik zum Leben erweckt? Ah ja, die rechte Strebe des Lenkrades verdeckt ihn, er wurde, ganz ungewöhnlich, im Wahlhebel des Getriebes versteckt, der wiederum an der Lenksäule befestigt ist. Mit einem grünen Symbol im Display signalisiert der Kia Fahrbereitschaft, durch drehen des Fahrhebels nach unten wird die Fahrtrichtung nach vorne bestimmt. 150 kW (204 PS) liefert die Elektromaschine, dies und ein Drehmoment von 283 Newtonmeter erlauben eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 7,8 Sekunden. Der Sprint wirkt ambitioniert, bleibt allerdings ohne den großen Wumms. Bei 170 km/h ist Schluss, dann wird die Leistung zurückgenommen, um den Verbrauch nicht ins Unermessliche steigen zu lassen.
Der EV 4 ist windschnittig, (cw-Wert 0,32), das senkt die Geräusche der Luftströmung. Die Verbrauchsangabe ist optimistisch, 14,9 kWh je 100 Kilometer konnten wir trotz hingebungsvollen Sparwillens nicht erreichen, unser Durchschnittsverbrauch von 15,3 kWh stellt dennoch rund 500 Kilometer Reichweite in Aussicht. Beim Schnellladen mit 135-kW-Gleichstrom gelingt das Auffüllen des 81,4 kWh speichernden Akkus von 10 auf 80 Prozent in etwa 30 Minuten.
Beim Fahren in der Stadt ist die sehr indirekte Lenkung angenehm, auf der Landstraße steht sie jedoch einer beherzteren Fahrweise entgegen. Der EV 4 versteht sich eher als Komfortsänfte, die fein abgestimmte Federung mit mechanisch adaptiven Dämpfern machen schlechte Fahrbahnen erträglich. Das Bremsen lässt sich unterdessen fasst vermeiden, mit Schaltwippen am Lenkrad kann der Rekuperationsgrad eingestellt werden, was da Fahren allein mit dem Gaspedal streckenweise möglich macht.
Anders als das Steilheckmodell kann der EV 4 Fastback nicht in der Basisausstattung Air bestellt werden, hier ist mindestens die 1350 Euro teurere Evolutionsstufe Earth angesagt. Dazu kommen noch Extra-Pakete wie das Drive-Wise-Ensemble für 1390 Euro, das neben der Assistentenriege auch das ferngesteuerte Ein- oder Ausparken per App übers Smartphone erlaubt sowie die Sound- und Winterpakete (690 und 1300 Euro), die zu besserem Audio-Sound und weniger Energieverbrauch dank Wärmepumpe im Winter führen. Die deutsche Reichweiten-Angst hat Kia mit einem großen Akku und schneller Ladefähigkeit erheblich geschrumpft. Der Weg wird kein leichter sein, aber vielleicht ist diese Kombination auch das rechte Mittel, das Ende des Verbrennermotors zu ertragen.
Daten Kia EV 4
Länge x Breite x Höhe (m): 4,73 x 1,86 x 1,48
Radstand (m): 2,82
Antrieb: Elektromotor, FWD, Reduktionsgetriebe
Systemleistung: 150 kW / 204 PS
Drehmoment: 283 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 7,7 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 14,9 kWh
Testverbrauch: 15,3 kWh
Batteriekapazität: 81,4 kWh
Leergewicht / Zuladung: min. 1914 kg / max. 441 kg
Kofferraumvolumen: 490–1435 Liter
Max. Anhängelast: 1000 kg
Basispreis: 47.140 Euro
Testwagenpreis: 51.870 Euro
(Quelle: Michael Kirchberger, cen)