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14. März 2026

Praxistest Alfa Romeo Junior Elettrica: Die Schlange züngelt mit dem Stecker

Es ist noch nicht allzu viele Jahre her, da hätte mancher schon beinahe einen Abgesang auf die Marke angestimmt: Doch Alfa Romeo hat sich zurückgekämpft. Zwar sind die weltweit etwas über 73.000 verkauften Autos des vergangenen Jahres im globalen Vergleich wenig, aber gegenüber 2024 sind es immerhin 20 Prozent. Und gerade erst wurde die Rückkehr der leistungsstarken Quadrifoglio-Modelle verkündet. Maßgeblicher Pfeiler des Erfolgs im vergangenen Jahr war der Junior. Und der ist auch als vollelektrischer Elettrica durchaus ein würdiger Nachfolger insbesondere des Vorvorgängers 147.

Dass der kleinste Alfa eigentlich Milano heißen sollte, ist mittlerweile so gut wie vergessen. Die Marke sollte dem italienischen Heimatminister eigentlich dankbar sein. Der hatte wegen der Produktion in Polen eine Umbenennung gefordert und die Verantwortlichen in Turin entschieden sich daraufhin für Junior. Der Name passt viel besser zu Alfa Romeo, hat er dort doch bereits eine lange Tradition.

Schick finden viele den Kleinen, der etwas hochbeinig im modischen Crossover-Look mit „versteckten“ hinteren Türgriffen auf den Rädern steht. Von „Herzensbrecher“ und „Leidenschaft“ ist zu lesen. Der Verkaufserfolg scheint dem vielen Lob Recht zu geben. Und auch wir können unsere Sympathie nicht verhehlen. Das liegt weniger am äußeren als am inneren Erscheinungsbild. Hier gibt sich der Junior ganz Alfa. Es gibt den „DNA“-Fahrschalter (Dynamic, Natural, Advanced Efficiency) und vor allem markentypisch tief eingelassene und beschirmte Instrumente. Allerdings hätte Alfa Romeo hier gerne noch ein bisschen mehr herausholen können: Wir wünschten uns eine Analogoptik im digitalen Tachometer, dessen Anzeige je nach eingelegtem Fahrprogramm unterschiedlich dargestellt wird. Immerhin ein nettes Gimmick gibt es: Die Schlange als Markensymbol wird im Charge-Feld des Powermeters mit einem Stecker statt einer Zunge am Kopf dargestellt. Beim Rekuperieren wechselt sie außerdem ihre Farbe von Blau auf Grün.

Der separate Infotainementbildschirm in der Mittelkonsole ist stark Richtung Fahrersitz ausgerichtet und bietet freundlicherweise explizit eine Schnelldeaktivierung bestimmter Assistenzfunktionen wie den Spurhalter oder den Geschwindigkeitswarner. Aber die Warntöne fallen ohnehin recht dezent aus. Das Überschreiten des Tempolimits meldet das System mit einer Art Blubbern. Nur der Frontkollisionswarner stößt einen förmlich markerschütternden Ton aus. Aber das ist ja auch gut so.

Leider nicht ganz Speciale ist in der gleichnamigen Ausstattungsvariante das Interieurmaterial. Hier dominiert harter Kunststoff, und am Rahmen der Scheiben darf sich sogar noch Blech zeigen. Und auch wer den Dachhimmel berührt, erkennt den Sparwillen. Dafür gibt es den Junior als immerhin 145 PS starken Hybrid aber auch schon ab 30.450 Euro.

Der Elettrica mit etwas stärkeren 115 kW (156 PS) kostet 9050 Euro mehr. Die Leistung reicht für den Sprint von 0 auf 100 km/h in neun Sekunden, wobei sich die Beschleunigung im Dynamic-Modus subjektiv deutlich stärker anfühlt – sportliches Fahrgefühl kommt jedenfalls auf. Das hat gleich zwei Gründe: Zum einen sind die drei Fahrstufen des DNA-Systems ausreichend differenziert und zum anderen gibt es einen künstlich erzeugten surrenden Klang, der den Tritt aufs Gaspedal wahrnehmbar, aber unaufdringlich begleitet, ohne der Versuchung zu erliegen, einen Verbrenner nachahmen zu wollen. Dazu kommt das hervorragend in der Hand liegende Lenkrad mit idealen Punkten für den Daumen und das neutrale Kurvenverhalten des Junior bei ausreichend komfortabel gedämpfter Federung.

50 Prozent Restkapazität stehen im Advanced-Efficiency-Modus für einen Aktionsradius von rund 180 Kilometern, 35 Prozent im der Natural-Einstellung für etwa 100 Kilometer. Als WLTP-Wert werden bei voller Batterie rund 400 Kilometer genannt, während wir im Schnitt etwa zwei Kilowattstunden über dem Normverbrauch lagen – das ist absolut akzeptabel. Die Ladeleistung von theoretisch 100 kW geht für diese Fahrzeugklasse in Ordnung, gleichwohl mussten wir auch mit diesem Elektriker wieder erfahren, dass das nicht immer automatisch auch funktioniert. Bei uns waren es an der Schnellladesäule von Aral wieder einmal deutlich weniger: Wir kamen im Schnitt auf rund 65 kW.

Der Blick nach schräg hinten ist wegen der schmalen Fenster des Fonds und der mächtigen C-Säule recht eingeschränkt, das Technologiepaket für 1400 Euro extra ist aber nicht nur wegen der Rückfahrkamera eine lohnende Investition.

Hinten geht es naturgemäß etwas beengter zu, der Platz ist gerade noch ausreichend. Hinzu kommt die wegen der oben angebrachten äußeren Türgriffe eingeschränkte Sicht nach draußen. Der Ladezwischenboden ist zweistufig verstellbar. Eine ebene Ladefläche gibt es aber nicht, da die umgeklappten Rückenlehnen deutlich nach oben ansteigen.

Unser Fazit: Der Einstieg ins Elektrozeitalter ist Alfa Romeo mit dem Junior recht gut geglückt. Der Verbrauch geht in Ordnung. Und Alfa-Fans dürften auch mit den anderen Motorisierungen ihre Freude haben. Bei der Güte der verwendeten Innenraummaterialien ist aber noch etwas Luft nach oben. Unsere dringendste Bitte für das Facelift ist aber die Analogdarstellung im im Tachometer. 

Daten Alfa Romeo Junior Elettrica Speciale

Länge x Breite x Höhe (m): 4,17 x 1,78 x 1,87
Antrieb: E-Motor, FWD, feste Übersetzung
Leistung: 115 kW / 156 PS
Max. Drehmoment: 260 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 9,0 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 15,2–15,5 kWh
Batteriekapazität: 51 kWh (netto)
WLTP-Reichweite: 398–410 km
Testverbrauch: ca. 17,1 kWh
Leergewicht / Zuladung: 1620 kg / 420 kg
Basispreis: 41.500 Euro
Testwagenpreis: 44.100 Euro

(Quelle: Jens Riedel, cen)