22. Januar 2026
Fahrbericht Suzuki e-Vitara: Gleicher Name, anderes Auto
Suzuki erstes vollelektrisches Modell einen bekannten Namen, hat als e-Vitara aber mit dem weiterhin erhältlichen kompakten SUV wenig zu tun. Die Designer haben einen komplett neuen Crossover auf die Räder gestellt, der sich deutlich eckiger und kantiger – um nicht zu sagen deutlich moderner – präsentiert. Auch die Außenabmessungen liegen in allen drei Dimension über denen des bekannten Namensgebers. So ist der e-Vitara beispielsweise neun Zentimeter länger.
Suzuki Deutschland, heuer 50 Jahre auf dem deutschen Markt, hat vor nicht allzu langer Zeit mit Swift Sport, Jimny und Ignis gleich drei wichtige Säulen seines Angebots verloren. Sie fielen nicht zuletzt den strenger werdenden Abgasvorschriften zum Opfer. Dadurch rutschte der Marktanteil, der sich hierzulande meist bei etwas über einem Prozent bewegt, im vergangenen Jahr auf 0,8 Prozent. Dennoch ist die Marke zuversichtlich und strebt bis Ende des Jahrzehnt sogar 1,5 Prozent an. Das soll nicht der e-Vitara alleine richten. Drei weitere neue BEV-Modelle sollen im Jahresabstand folgen. Dabei sieht sich Suzuki vor allem als einer der wenigen verblieben Kleinwagenanbieter mit entsprechender Preispositionierung und bezahlbarem Allradantrieb.
So startet der e-Vitara in der Basisversion bei 29.990 Euro (ohne aktuelle Förderung), bringt aber auch schon gleich die geteilte und verschiebbare Rücksitzbank mit neigungsverstellbaren Lehnen sowie Rückfahrkamera und adaptive Geschwindigkeitsregelung mit. Der Allgrip ist ab 39.490 Euro in der zweithöchsten der drei Ausstattungsstufen zu haben. „Allrad zu dem Preis und in dem Segment ist schon ein Alleinstellungsmerkmal“, meint Vertriebs- und Marketingchef Marcell Goltermann.
Für ein wenig Verwirrung sorgte bei der ersten Ausfahrt mit dem Neuzugang die Maximalanzeige eines Durchschnittsverbrauchs von 30 Kilowattstunden. Nicht gänzlich zu klären war, ob es sich um eine falsch eingestellte Software oder den Wert aus den werksseitigen Einführungsfahrten handelte. Die Korrelation von angezeigter Restreichweite und verbliebener Batteriekapazität funktionierte aber. Bei einstelligen Minusgraden wurden bei zu 99 Prozent gefülltem Akku ein Aktionsradius von rund 320 Kilometern versprochen. Nachdem 40 Prozent des Stroms verbraucht waren, zeigte das Display noch 200 verbleibende Kilometer an.
Lenkung und Bremse fühlen sich zunächst ein wenig synthetisch an, wobei es an der früh ansprechenden geschwiundigkeitsabhängigen Servolenkung an sich nichts auszusetzen gibt. Im Gegenteil: Der kleine Crossover lässt sich auch in der Ausführung mit Frontantrieb recht dynamisch über kurvenreiche Landstraßen führen. In der stärkeren In der Allradausführung kommt noch eine aktive Cornering Control dazu, die durch gezieltes Abbremsen der kurveninneren Räder dem Untersteuern entgegenwirkt. Als Allgrip verfügt der e-Vitara zudem noch über einen speziellen Trail-Modus zur besseren Drehmomentverteilung im Gelände und eine simulierte Differenzialsperre bei der durchdrehende Räder abgebremst werden. Dazu kommt noch eine (etwas ruppig arbeitende) Bergabfahrhilfe.
Angenehm ist der zurückhaltende Warnton des Geschwindigkeitswarners (der sich im Bordmenü stumm schalten lässt), der sehr dezent und leise ausfällt. Auch der Spurverlassenswarner und der aktive Spurhalter erledigen ihren Job unaufdringlich, der adaptive Tempomat ist ebenfalls von der sanfteren Sorte. Hier hat Suzuki alles richtig gemacht und geht dem Fahrer nicht unnötig auf die Nerven. Der kleine Wendekreis ist in der Stadt ebnenso willkommen wie im Gelände. Das Fahrwerk ist allgemein eher komfortabel ausgelegt.
Das Ambiente, insbesondere in der zweifarbigen Ausführung, ist einladend. Das 10,25 Zoll große digitale Kombiinstrument und der 10,1-Zoll-Bedientouchscreen sind zu einer Einheit zusammengefasst und bieten jeweils auch die Möglichkeit eines dreifach geteilten Bildschirms (vor dem Fahrer mit runden Ausschnitten links und rechts). Eine induktive Ladeschale sowie jeweils ein Mini-USB- und USB-C-Anschluss vorne und hinten sorgen für die nötige Smartphoneeinbindung. Das Navigationssystem wird über Android-Auto oder Apple-Carplay gesteuert. Die Kommandazentrale in der Mittelkonsole überspannt das Ablagefach und reicht den Drehschalter und die Tasten für die primären Fahrfunktionen übersichtlich und gut erreichbar dar. Klimatisierung, Belüftung und die Scheibenheizung lassen sich wahlweise statt über den Touchscreen auch direkt über sechs Wipptasten regeln. Für die Lautstärkeregelung gibt es ebenfalls bei Bedarf noch einen klassischen Drehknopf. Die Assistenzsysteme werden wie gewohnt vom Lenkrad aus bedient, nur die dreistufige Rekuperationseinstellung versteckt sich im Menü des Bordcomputers, wobei der e-Vitara kein One-Pedal-Niveau erklimmt.
Die hinteren Passagiere finden dank relativ großen Radstand erstaunlich viel Platz, nur für die Füße kann es unter dem elektrisch verstellbaren Fahrersitz etwas enger werden. Das großzügige Platzangebot geht allerdings zu Lasten des Kofferraumvolumens, das mit 238 Litern unter dem Klassendurchschnitt liegt. Mit der zweigeteilten, verschiebbaren Rücksitzbank können weitere 72 Liter gewonnen werden. Bei umgeklappten Rückenlehnen entstehen eine ebene Ladefläche und bis zu 1052 Liter Fassungsvermögen.
Zu bekommen ist der e-Vitara in zwei Akkuversionen mit 49 kWh oder 61 kWh. Die kleinere Batterie gibt es nur im Einstiegsmodell mit 106 kW (144 PS) Spitzenleistung. 128 kW (174 PS) sind es in den beiden höheren Ausstattungslinien, während beim Allgrip noch eine hintere E-Maschine mit 48 kW (65 PS) dazu kommt, die zu einer Systemleistung von 135 kW (183 PS) beiträgt. Der Lithium-Eisenphosphat-Akku soll an einer Schnellladesäule in etwa 45 Minuten Batterie wieder von zehn auf 80 Prozent gebracht werden können. Mit dem bordeigenen 11-kW-Lader sind es etwa viereinhalb bzw. fünfeinhalb Stunden, wobei sich der Vorgang vom Autos aus zeitlich programmieren lässt.
Suzuki rechnet für dieses Jahr mit rund 3000 Zulassungen des Neulings, der in Japan bereits zum „Car of the Year“ gekürt worden ist. Den AWD-Anteil schätzen die Verantwortlichen in Bensheim hierzulande auf etwa 40 Prozent. Und wem das Design des e-Vitara irgendwie schon bekannt vorkommt: Suzuki gibt ihn als Urban Cruiser auch an Toyota weiter.
Daten Suzuki e-Vitara Comfort
Länge x Breite x Höhe (m): 4,28 x 1,80 x 1,64
Radstand (m): 2,70
Antrieb: Elektrisch, FWD, feste Übersetzung
Leistung: 128 kW / 173 PS
Max. Drehmoment: 193 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: k. A.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 15,1 kWh
Batteriekapazität: 61 kWh
Normreichweite: 426 km
Max. Ladeleistung: ca. 68 kW
Leergewicht (inkl. Fahrer)/ Zuladung: 1835 kg / 415 kg
Kofferraumvolumen: 238–1052 Liter
Max. Anhängelast: 750 kg
Preis: 36.490 Euro
(Quelle: Jens Riedel, aum)