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17. März 2026

Fahrbericht Ineos Grenadier: Mit frischem Schrot und Korn

Die Geschichte des Ineos Grenadier ist außergewöhnlich: Als Land Rover im Jahr 2016 die Produktion des klassischen Defenders einstellte, war für Jim Ratcliffe eine Grenze überschritten. Der britische Milliardär und Chef des Chemiekonzerns Ineos suchte vergeblich nach einem kompromisslosen, analogen Arbeitstier alter Schule: robust, kantig, mechanisch und ohne Lifestyle-Attitüde.

Nachdem Land Rover ihm die alten Defender-Werkzeuge nicht verkaufen wollte, beschloss er, selbst einen kompromisslosen Geländewagen zu entwickeln. Die zündende Idee für das Fahrzeug ist bei einem Bier im Londoner Pub „The Grenadier“ entstanden – daher auch der Name des Autos. Aus der Bierdeckel-Vision wurde schnell ein ernsthaftes Industrievorhaben. Ratcliffe gründete Ineos Automotive und holte sich die erfahrenen Entwicklungspartner von Magna Steyr an Bord. Das Briefing an die Österreicher war klar: Sie sollten einen modernen Geländewagen entwickeln, der sich wie ein Werkzeug und nicht wie ein Modeaccessoire fährt.

So entstand mit dem Ineos Grenadier eine bewusste Antithese zum weichgespülten SUV-Mainstream: Er verfügt über einen klassischen Leiterrahmen, massiv gefertigte Starrachsen sowie Differentialsperren und soll da weitermachen, wo der klassische Defender aufgehört hat. Mit seinem permanenten Allradantrieb samt Untersetzung ist der Grenadier ein echter Geländewagen aus altem Schrot und Korn. Das ist durchaus im positiven Sinne gemeint. Er verfügt über eine bullige Stahlkarosserie sowie Türen und Hauben aus Aluminium. Darüber hinaus ist der Grenadier auch als Pick-up-Version mit der Bezeichnung Quartermaster erhältlich.

Seit seinem Erscheinen vor drei Jahren zählt der Grenadier zu den besten Serien-Offroadern im Gelände. Für das Modelljahr 2026 hat der Hersteller Ineos Automotive dem kantigen Offroader nun eine Modellpflege verpasst. Große optische Veränderungen sucht man vergeblich – stattdessen konzentriert sich das Update auf die Technik und den Komfort. Das Facelift setzt vor allem dort an, wo der frühere Grenadier und Quartermaster noch recht schwerfällig wirkten und Kritik einstecken mussten: auf der Straße.

So betrifft auch die größte technische Neuerung die Lenkung. Die Kugelumlauflenkung wurde überarbeitet und verfügt nun über eine variable Übersetzung. Bei unserer Ausfahrt mit dem Grenadier vermittelt sie ein besseres Lenkgefühl um die Mittellage sowie mehr Präzision und höhere Stabilität bei Autobahnetappen. Gerade auf Asphalt zahlt sich diese Änderung aus. Der Grenadier wirkt nun auf der Straße wesentlich ruhiger, ohne dabei seine hohe Manövrierfähigkeit im Gelände zu verlieren. Letzteres ist nach wie vor auf einem hohen Niveau. Gleichzeitig wurde der maximale Lenkeinschlag um fünf Prozent vergrößert, wodurch sich der Wendekreis beim Rangieren spürbar reduziert. Daher lässt sich der britische Offroader jetzt wesentlich entspannter fahren.

Unter der Haube des Grenadiers kommen weiterhin die bewährten BMW-Sechszylinder zum Einsatz: Der Dreiliter-Benziner mit 286 PS und der hubraumgleiche Diesel mit 249 PS sind beide mit einer ZF-Achtgangautomatik ausgestattet. Auf dem Papier hinkt der Selbstzünder hinterher, das merkt man auch beim Fahren. Der Benziner wirkt spritziger und er klingt beim Ausdrehen dezenter, als der unter Last rau werdende Diesel. Sportliche Fahrleistungen lassen sich allerdings mit beiden nicht erzielen, da der Grenadier mit einem Mindestgewicht von gut 2,7 Tonnen recht schwer ist. Doch passen beide Antriebe gut zum Charakter des Ineos und schwimmen locker im Verkehr mit. Auch spontane Überholmanöver auf der Landstraße sind mit 550 Newtonmetern an Drehmoment kein Problem, während der Federungskomfort für einen Geländewagen noch recht passabel ist.

Im Innenraum bleibt der Grenadier seiner Philosophie treu: Es dominieren robuste Materialien, ein zentral positioniertes Display sowie zahlreiche Schalter. Besonders markant ist die an ein Flugzeug-Cockpit erinnernde Dachkonsole. Hier befinden sich zahlreiche analoge Knöpfe und Hebel für Offroad-Funktionen wie Differentialsperren, Untersetzung und Antriebsmodi. Alles ist äußerst robust, staubdicht und vibrationsfest gemacht. Und die Verarbeitung des Ineos erweist sich so solide wie Beton. Der Wagen ist dermaßen verwindungssteif, dass selbst im brutalsten Gelände nicht einmal im Ansatz irgendetwas klappert oder knirscht.

Dennoch wurden einige Details verbessert. So ist die jetzt leiser arbeitende Klimaanlage mit einer optimierten Lüftersteuerung ausgestattet, die die eingegebene Temperatur konstant hält. Zusätzliche Staufächer im Inneren verbessern die Alltagstauglichkeit, während der erfreulich dezent bimmelnde Geschwindigkeitswarner nun im Startbildschirm über eine Abschaltfunktion verfügt. Das war's auch schon.

Trotz aller Facelift-Retuschen ist der Ineos nicht teurer geworden. Im Gegenteil, der Einstiegspreis für den Grenadier Utility Wagon liegt weiterhin bei 71.140 Euro, für den Quartermaster Pick-up werden 72.640 Euro aufgerufen. Neu im Programm ist die noble Ausstattungslinie Black Edition ab 82.890 Euro. Das hinzugekommene Familienmitglied besticht durch einen mattschwarzen Look mit Inky-Black-Lackierung, 18-Zoll-Felgen, Dark-Exterior-Pack (schwarzer Kühlergrill, dunkle Unterfahrschutzplatten), dunkel getönten Scheiben und einem abschließbaren Reserveradkasten. Zusammen mit einem dunklen Dachhimmel und Teppich Premium im Innenraum gibt es auch im Ineos Grenadier einen Hauch Premium-Offroad-Chic. 

(Quelle: Guido Borck , aum)