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07. Februar 2026

Fahrbericht Ferrari Purosangue: Ein Manifest aus vier Türen und zwölf Zylindern

Der Ferrari Purosangue markierte 2022 für die Italiener eine Zeitenwende. Mit dem viertürigen Hochleistungsfahrzeug erweiterte die Marke ihr Portfolio um ein Segment, das bislang eher untypisch war: Eine Kombination aus Sportwagen-DNA und SUV-Pragmatik. Die klassischen Bezeichnungen passen nicht so recht. Ferrari selbst lehnt den Begriff SUV ab, spricht lieber von einem „viertürigen Gran Turismo“, während die geschätzten journalistischen Kollegen zwischen „Performance-SUV“ und „Crossover“ schwanken.

Vor der Hauseinfahrt wirkt der Purosangue wie eine Präsenz, die sich kaum in Worte fassen lässt. Jede Linie, jede Kontur ist Ausdruck von Präzision und Dynamik. Der Einstiegspreis liegt bei rund 380.000 Euro, realistisch ist eher ein Betrag von mindestens einer halben Million Euro, egal ob neu oder gebraucht. Für Ferrari-Kunden scheint dies kein ernstzunehmendes Hindernis zu sein.

Die Türen öffnen gegenläufig, und der Blick ins Interieur erinnert an ein Flugzeugcockpit. Handgefertigtes Leder trifft auf Karbonfasern und gebürstetes Aluminium. Alles ist funktional und auf den Fahrer zugeschnitten. Das Cockpit ist so angelegt, dass der Fahrer tief eingebettet sitzt, fast mit dem Fahrzeug verschmilzt, während drei weitere Sitze uneingeschränkt nutzbar bleiben. Ferrari inszeniert hier Rationalität und Emotion als untrennbare Einheit.

Der V12-Saugmotor ist der eigentliche Star. Ein Druck auf den Startknopf genügt, und er erwacht mit unverwechselbarer Präsenz. Kein synthetischer Klang, keine digitale Nachahmung, nur reine mechanische Authentizität. 6,5 Liter Hubraum entfalten 725 PS (533 kW), beschleunigen das Super-SUV in 3,3 Sekunden auf 100 km/h und bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von mehr als 310 km/h.

Doch es geht nicht nur um Geschwindigkeit. Der Klang des Motors ist ein Statement, eine Hommage an eine Ära, in der Motoren noch Charakter hatten. Für die zahlungskräftige Kundschaft, die Hybridantriebe meist ablehnt, ist dies ein entscheidendes Kriterium. Auf den ersten Kilometern zeigt sich der Purosangue bemerkenswert agil. Kein Wanken, keine Trägheit, die Lenkung arbeitet präzise, der Allradantrieb dosiert die Kraft exakt. Das Gewicht von etwas mehr als zwei Tonnen wird durch die strategische Gewichtsverteilung kompensiert: Motor weit hinten, Schwerpunkt tief. Das Resultat ist ein Gleichgewicht, das man einem Fahrzeug dieser Dimension kaum zutrauen würde.

In Kurven bleibt der Wagen neutral, das aktive Fahrwerk arbeitet unauffällig. Der Purosangue klebt am Asphalt, wie es auch bei den Sportwagen aus Maranello üblich ist. Dennoch zeigt sich auch die Kehrseite der Medaille. Das Fahrwerk ist straff, die Sicht nach hinten eingeschränkt, der Verbrauch liegt bei über 17 Litern auf 100 Kilometer. Hier dominiert die Passion über die Vernunft.

Das Interieur dient weniger als Rückzugsort denn als Bühne. Jedes Bedienelement folgt klarer Logik, das digitale Cockpit agiert verzögerungsfrei. Auf langen Strecken fährt der Wagen souverän, getragen von der Gelassenheit des großvolumigen Motors. Wenn der Tag sich dem Ende neigt und das Triebwerk ein letztes Mal grollt, wird deutlich, dass Ferrari mit dem Purosangue die Synthese aus klassischem V12-Motor und moderner Karosserie gelungen ist. Auf dem Papier widersprüchlich, auf der Straße harmonisch. Haltung, Klang, Charakter, alles bleibt unerschütterlich Ferrari.

Der Purosangue steht für Selbstbewusstsein, Kompromisse werden nicht zugelassen. Er ist laut, präsent und eine Hommage an die Sinnlichkeit des Fahrens. Kein reines Fortbewegungsmittel, sondern eine kinetische Skulptur, die gegen die Gleichförmigkeit des automobilen Alltags gerichtet ist. Wer hinter dem Steuer sitzt, wird daran erinnert, dass Ferrari hier kein Auto, sondern ein Manifest geschaffen hat: Leidenschaft, Tradition und Ingenieurskunst in einer einzigen, monumentalen Form. 

(Quelle: Wolfgang Wieland, aum)