22. Mai 2026
Fahrbericht Aston Martin DB12 S: Der Ruf der Straße
Bei einer ersten Testrunde über Landstraßen, eine anspruchsvolle Bergstrecke und Abschnitte der französischen Autobahn zeigt sich, der britische Bolide paart Komfort für weite Distanzen mit spürbar gesteigerter Dynamik, ohne seinen Kern als Langstreckenfahrzeug zu verlieren. Mit einem Einstiegspreis von 250.000 Euro für das Coupé und 266.000 Euro für das Cabrio, bei Aston Martin traditionell Volante genannt, bewegt er sich in einer Liga, die Exklusivität verspricht.
Optisch setzt der S einige Akzente, die ihn vom Basis-DB12 abheben, ohne in übertriebene Aggressivität abzugleiten. Die vordere Partie wirkt durch schmalere LED-Einheiten und einen markanteren Unterspoiler fokussierter, der den Luftwiderstand drückt. Seitlich dominieren 21-Zoll-Leichtmetallräder mit Carbon-Bremssätteln das Bild, am Heck ein ausladender Diffusor mit vier Endrohren. Die Karosserie liegt 10 Millimeter tiefer, was die sportliche Pose verstärkt, aber die Bodenfreiheit für den Alltag ausreichend belässt. Optionale Carbon-Applikationen und Schutzfolien runden das Erscheinungsbild ab, das auf 20 Prozent mehr Abtrieb im Vergleich zum Standardmodell abzielt. Maßgeschneidert sind die Sturz-, Spur- und Nachlaufeinstellungen, sie verbessern die Stabilität und das Ansprechverhalten zusätzlich zu den serienmäßig eingebauten Carbon-Keramik-Bremsen, die beeindruckende 27 Kilogramm an ungefederten Massen einsparen.
Im Interieur geht der Fokus auf bewährte Qualität: Nappaleder in diversen Nuancen, Alcantara-Applikationen und polierte Metallteile schaffen eine Atmosphäre gediegener Handwerkskunst. Der zentrale 10,25-Zoll-Monitor übernimmt Infotainment und Bedienung der Klimaanlage, umgeben von analogen Instrumenten und physischen Tasten für Fahrmodi oder Auspuffregelung. Die Sportsitze fixieren Fahrer und Beifahrer mit ihrer guten Polsterung, ideal auch für längere Ausfahrten. Der Kofferraum fasst 262 Liter, genug für Gepäck über ein Wochenende.
Unter der Haube sitzt der 4,0-Liter-V8-Biturbo als Front-Mittelmotor, der eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 3,4 Sekunden ermöglicht, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 325 km/h. Zahlen, die durch Launch Control und eine Acht-Gang-ZF-Automatik untermauert werden. Besonders das breite Drehmomentband macht den Motor alltagstauglich: Selbst bei niedrigen Drehzahlen ist die Beschleunigung äußerst beachtlich und bei Überlandtempo dreht er entspannt mit.
Vor allem auf kurvenreichen Bergstraßen entfaltet der DB12 S seine Stärken. Im GT-Modus gleitet er über Schlaglöcher hinweg und behält auch bei höherem Tempo seine Linie. Sport Plus strafft das Setup, schärft Pedalcharakteristik und Lenkung, Kurven werden mit höchster Präzision genommen. Die nächste Generation der Kurvenbremskontrolle, die in das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) integriert ist, mag zwar technisch sehr anspruchsvoll sein, wir ziehen es aber vor, es direkt zu deaktivieren.
Der stets Gänsehaut erzeugende V8-Sound bleibt im Normalbetrieb eher dezent, mit hedonistischem Gasfuß kribbelt allerdings der ganze Körper und im Tunnel wird es infernalisch. Man fährt dieses Auto nicht, man erlebt es. Es ist ein Begleiter für Nächte, in denen man die Sterne jagen will, und für Tage, an denen die Straße ruft.
(Quelle: Wolfgang Wieland, cen)
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