23. Dezember 2021

Fahrbericht Lada Niva Travel: Willkommen in den Neunzigern

Der legendäre Lada Niva blieb immer der Niva, auch wenn er offiziell eine ganze Zeit lang nicht so heißen durfte – hatte sich doch General Motors den Namen für den fünftürigen Chevrolet Niva aus dem Joint Venture mit Avtovaz gesichert. Das Gemeinschaftsunternehmen ist seit über einem Jahr Geschichte. Und nun gibt es zwei Niva, den bei uns zuletzt schlicht als 4x4 vermarkteten Urahnen und den ehemaligen Chevrolet als (etwas) moderneren Lada Niva Travel. Auch wenn der Import in Europa offiziell beendet wurde, zu haben sind beide in Deutschland. Die Lada Automobile GmbH, die mit ihren über 200 Händlern weiterhin für den Service zuständig ist, holt die Fahrzeuge in homöopathischen Dosen per Einzelabnahme ins Land.

Nach dem Ausstieg von GM spendierte Lada dem ehemaligen Chevrolet erst einmal eine komplett neue und kantige Frontpartie. Sie steht ihm besser als die runde Vorgängerform. Mit 4,10 Metern ist der Travel vier Zentimeter kürzer als die gestreckte fünftürige Version des ehemaligen Lada 4x4, der in Russland jetzt als Niva Legend vermarktet wird. Der altbekannte 1,7-Liter-Motor büßt hier drei PS ein und sorgt Niva-typisch für eine entschleunigte Form der Fortbewegung, für die auch die lediglich 140 km/h Höchstgeschwindigkeit stehen. Das sind nur drei Stundenkilometer mehr als im Legend. Und von Null bis Tempo 100 benötigt der Travel offiziell 19,4 Sekunden.

Die so gut wie rückmeldungsfreie Lenkung animiert ebenfalls nicht zu forscherer Gangart. Die darf der Travel aber dann im Gelände an den Tag legen. Mit permanenten Allradantrieb, Untersetzung und mittigem Sperrdifferenzial macht ihm in Verbindung mit den kurzen Überhängen und den kompakten Abmessungen abseits der Straße so schnell keiner was vor. Hier deklassiert der Lada ganz klar den Dacia Duster. Günstiger ins Offroad-Gelände geht es nur mit dem älteren Bruder.

Dennoch überrascht der neue Niva auch auf Asphalt. Da ist zum einen die recht komfortable Federung, zum anderen das erstaunlich geringe Geräuschniveau der etwas in die Jahre gekommenen Konstruktion. Erst ab etwa 110 km/h und jenseits der 3300 Umdrehungen in der Minute wird es lauter im Lada, der übrigens über eine an den unteren Ecken deutlich gebogene Windschutzscheibe verfügt. Das Fünf-Gang-Getriebe benötigt etwas Nachdruck, rastet aber präzise ein. Etwas beherzter darf auch auf die Bremse getreten werden, die den Travel erheblich früher zum Stehen bringen als den bisherigen 4x4.

Die Instrumentenanzeigen und die Schalter versprühen den Charme der späten 1990er-Jahre, sind gegenüber dem Legend aber natürlich ebenfalls ein Sprung nach vorn. Zudem ist der Travel flexibler konstruiert. Die Rücksitzbank lässt sich geteilt umklappen und schafft dank hochstellbarer Sitzpolster eine ebene Ladefläche von gut 1,25 Meter Länge. Es gibt Halteklammern für die Gurtbänder und Taschen für die -schlössser sowie Isofix. Pfiffig finden wir die Mittelarmlehne. Wird sie um 180 Grad nach hinten geklappt verwandelt sie sich in einen Cupholder für die Fondpassagiere.

Gewohnt leistungsstark präsentiert sich die Heizung. Die direkt aus Russland eingeführten Versionen kommen ohne Klimaanlage, aber auch die beschafft die deutsche Lada GmbH auf Wunsch. Gleiches gilt für die fehlenden hinteren Kopfstützen, die den Niva Travel ebenfalls als Auto der Neunziger ausweisen. Ohnehin ist das eine oder andere Extra per Absprache möglich, wie auch die an unserem Exemplar montierten Trittbretter und das Infotainmentsystem mit optionaler SD-Kartennavigation und Bluetooth-Freisprechanlage zeigen. Sogar eine Rückfahrkamera hatten wir an Bord. Das alles spiele aber für die spezielle Lada-Klientel keine allzu große Rolle, weiß Bernd Haack vom Marketing. Ebenso wenig wie der Verbrauch.

Wie der Legend ist der Niva Travel ein Nischenfahrzeug für Individualisten, echte Offroadfahrer und Menschen, die sich gerne in frühere Autozeiten zurückversetzen lassen, ohne sich einen teuren und im Zweifelsfall erst noch zu restaurierenden Oldtimer zulegen zu wollen. Und ganz nebenbei machen sie allen weichgespülten SUV eine lange Nase. Das exklusive Vergnügen beginnt bei 17.990 Euro in der Basisausführung. Aktuell ist der russische Neuzugang bei den ehemaligen Händlern und den Service-Werkstätten der Marke nur noch vereinzelt zu finden. Dem ehemaligen Importeur in Buxtehude liegen für nächstes Jahr aber bereits 40 bis 50 Vorbestellungen vor. 

Daten Lada Niva Travel

Länge x Breite x Höhe (m): 4,10 x 1,80 x 1,69
Radstand (m): 2.65
Antrieb: R4-Benziner, 1690 ccm, Allrad, 5 Gänge, Untersetzungsgetriebe, Sperrdifferenzial
Leistung: 59 kW / 80 PS bei 5000 U/min
Max. Drehmoment: 127 Nm bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 140 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 19,4 Sek.
NEFZ-Durchschnittsverbrauch: 11,9 l
CO2-Emissionen: 271g/km (Euro 6)
Effizienzklasse: G
Leergewicht / Zuladung: 1465 kg / 365 kg
Kofferraumvolumen: k. A.
Max. Anhängelast: 1200 kg
Basispreis: 17.990 Euro

(Quelle: Auto-Medienportal ampnet)

Lada Niva Travel. Foto: (Autoren-Union Mobilität)
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Lada Niva Travel: Ungewohnter Luxus bei der Aussteuerung des Audiosystems. Foto: (Autoren-Union Mobilität)
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